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Lichtstärke am Arbeitsplatz: Wie viel Lux wirklich nötig sind

Lichtstärke am Arbeitsplatz: Wie viel Lux wirklich nötig sind

500 Lux auf der Schreibtischplatte sind keine Designfrage, sondern eine wichtige Mindestanforderung. Wer die Beleuchtungsstärke am Arbeitsplatz unterschreitet, riskiert müde Augen, mehr Fehler und möglicherweise Probleme mit der Aufsicht. Ein Überblick über Lux-Werte, Messung und typische Planungsfehler.

Von „zu dunkel“ spricht kaum jemand gern, weil sich Helligkeit nur schwer einschätzen lässt. Das Auge passt sich innerhalb weniger Minuten an. Ein Raum, der morgens noch düster wirkt, erscheint mittags oft völlig normal. Deshalb arbeitet der Arbeitsschutz nicht mit persönlichen Eindrücken, sondern mit einer messbaren Größe: der Beleuchtungsstärke in Lux, gemessen auf der Arbeitsfläche.

Was die Beleuchtungsstärke aussagt

Die Beleuchtungsstärke beschreibt, wie viel Licht auf einer Fläche ankommt. Sie sagt nicht aus, wie hell eine Lampe selbst leuchtet. Angegeben wird sie in Lux, abgekürzt lx, und direkt in der sogenannten Nutzebene gemessen. Im Büro liegt diese Ebene üblicherweise 0,85 Meter über dem Boden und damit ungefähr auf Höhe der Tischplatte.

Eine Leuchte mit hohem Lumenwert kann am Schreibtisch trotzdem zu wenig Lux erzeugen. Entscheidend sind unter anderem der Abstand zur Arbeitsfläche, der Abstrahlwinkel und die Reflexion der Raumflächen.

Die rechtlichen Mindestwerte

In Deutschland ist die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.4 „Beleuchtung und Sichtverbindung“ in der Ausgabe vom Mai 2023 maßgeblich. Sie konkretisiert die Arbeitsstättenverordnung und nennt in Anhang 3 Mindestwerte für die mittlere Beleuchtungsstärke, die im Betrieb nicht unterschritten werden dürfen.

Ergänzend gilt die europäische Norm DIN EN 12464-1 für die Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen. Sie enthält auch Vorgaben zur Blendung und zur Farbwiedergabe.

Für Büroarbeiten wie Schreiben, Lesen und Datenverarbeitung gilt ein Mindestwert von 500 Lux. Wichtig ist außerdem der Umgebungsbereich. Bei Arbeitsplätzen, die mit 500 Lux oder mehr beleuchtet werden müssen, sollte die mittlere Beleuchtungsstärke im Umfeld mindestens 300 Lux betragen. Andernfalls entsteht ein starker Helligkeitskontrast, der die Augen ständig zur Anpassung zwingt.

Lux-Werte im Überblick

Tätigkeit oder Bereich Mindestwert UGR Farbwiedergabe
Flure und Verkehrswege 100 lx ≤ 25 Ra ≥ 40
Lager und grobes Lagergut 100 bis 200 lx ≤ 25 Ra ≥ 60
Grobe Werkstattarbeit 300 lx ≤ 25 Ra ≥ 80
Büro: Schreiben, Lesen und EDV 500 lx ≤ 19 Ra ≥ 80
Feine Werkstattarbeit und Montage 750 lx ≤ 19 Ra ≥ 80
Feinste Arbeiten und Qualitätskontrolle 1.000 lx ≤ 19 Ra ≥ 80

Die Werte orientieren sich an der DIN EN 12464-1 und der Tabelle der ASR A3.4. Im Büro sollte die Gleichmäßigkeit mindestens 0,6 betragen.

UGR beschreibt die psychologische Blendung durch direktes Licht. Bei Bildschirmarbeit ist ein Wert von höchstens 19 besonders wichtig, da spiegelnde Displays sonst schwer lesbar werden können.

Teilflächen statt pauschaler Helligkeit

Ein häufiges Missverständnis besteht darin, dass der gesamte Raum mit 500 Lux beleuchtet werden muss. Bei anspruchsvollen Sehaufgaben mit höheren Anforderungen dürfen die geforderten Werte auch nur auf den relevanten Teilflächen erreicht werden. In diesem Fall kann eine gezielt ausgerichtete Arbeitsleuchte auf der Tischfläche ausreichen.

Entscheidend ist jedoch die Untergrenze. Bei einer teilflächenbezogenen Beleuchtung darf die mittlere Beleuchtungsstärke am Arbeitsplatz 500 Lux nicht unterschreiten. Außerdem darf kein Messpunkt unter 300 Lux liegen.

Für Büroarbeitsplätze, Gesundheitsbereiche und vergleichbare Räume hat sich zusätzlich ein Verhältnis von vertikaler zu horizontaler Beleuchtungsstärke von mindestens 1:3 bewährt. Gemeint ist damit die Helligkeit auf senkrechten Flächen, etwa an Regalen oder auf Gesichtern. Reines Deckenlicht erfüllt diese Anforderung häufig nicht.

So lassen sich die Werte in der Praxis prüfen

Ein Luxmeter ist die zuverlässigste Methode, um die Beleuchtungsstärke zu bestimmen. Smartphone-Apps können eine grobe Orientierung liefern, ersetzen aber kein kalibriertes Messgerät. Gemessen wird bei Nacht oder mit abgedunkelten Fenstern, damit ausschließlich die künstliche Beleuchtung erfasst wird.

  • Auf der Tischplatte messen, nicht am Boden
  • Mehrere Messpunkte wählen, zum Beispiel vorne, hinten, links und rechts
  • Den Mittelwert mit dem Mindestwert vergleichen
  • Nicht nur den höchsten Wert direkt unter der Leuchte berücksichtigen
  • Auch den Umgebungsbereich prüfen
  • Bei einem 500-Lux-Arbeitsplatz im Umfeld mindestens 300 Lux sicherstellen

Auch das Tageslicht spielt eine Rolle. In Arbeitsräumen gilt die Tageslichtanforderung als erfüllt, wenn am Arbeitsplatz ein Tageslichtquotient von mehr als 2 Prozent erreicht wird.

Ein Rechenbeispiel für die Planung

Für eine Tischfläche von 1,5 Quadratmetern und eine Beleuchtungsstärke von 500 Lux werden ungefähr 750 Lumen benötigt, die tatsächlich auf der Fläche ankommen.

Bei einer modernen LED-Leuchte mit etwa 100 Lumen pro Watt und einem Nutzlichtanteil von ungefähr 70 Prozent ergibt sich rechnerisch eine Leistung von rund 11 Watt. Voraussetzung ist, dass die Leuchte die Arbeitsfläche tatsächlich direkt und ausreichend gleichmäßig beleuchtet.

Die häufigsten Fehler

Nur die Deckenleuchte einplanen

Eine gleichmäßige Grundbeleuchtung mit etwa 300 Lux und eine zusätzliche Arbeitsleuchte für die Tischfläche sind häufig zuverlässiger als eine einzelne, sehr starke Deckenlampe.

Blendung ignorieren

Hohe Lux-Werte helfen wenig, wenn die Leuchte im Gesichtsfeld spiegelt oder direkt in die Augen strahlt. Bei Bildschirmarbeit sollte der UGR-Wert höchstens 19 betragen.

Zu kaltes Licht wählen

Für konzentrierte Büroarbeit haben sich Farbtemperaturen von etwa 4.000 bis 5.000 Kelvin bewährt. Sehr warmes Licht unter 3.000 Kelvin kann ermüdend wirken. Sehr kaltes Licht über 6.000 Kelvin wird dagegen oft als unruhig empfunden.

Zu hohe Werte unterschätzen

Eine gesetzliche Obergrenze gibt es zwar nicht. Physiologisch kann eine sehr hohe Beleuchtungsstärke jedoch unangenehm werden. Deutlich mehr als 1.500 Lux am Bildschirmarbeitsplatz empfinden viele Menschen als störend.

Mehr Wissen rund um das Thema Licht und seine Wirkung findet man unter www.licht-journal.de.